Die Dämonen

Hier schreibe ich über Dinge, bei denen ich nicht in der Lage bin sie auszusprechen. Ich möchte dich bitten, hier nur weiterzulesen, wenn du psychisch stabil bist.

Zur Zeit melden sich meine treuen Suizidgedanken wieder öfter und lauter zu Wort. Nicht so, dass ich aktiv was dahingehend unternehmen würde, aber doch so, dass die Frage was wäre wenn, mein täglicher Begleiter ist. Als ich noch ein Kind war, wär ich sehr oft gerne einfach gestorben. Ich erinner mich, dies mal meinem Papa erzählt zu haben. Das war das einzige mal, an das ich mich erinnern kann, dass ich ihn weinen sah. Ich war so alleine inmitten vieler Menschen. Ich hatte immer das Gefühl, ich gehöre dort nicht hin und auch sonst nirgends dazu. Das bestätigte sich dann auch, als ich zur Schule kam. Niemand wollte mein Freund sein.  Mehr noch. Ich wurde ausgegrenzt und geärgert. Zu Hause hieß es nur, ich solle mich nicht provozieren lassen und eigendlich müsste ich mir ja auch einfach etwas mehr Mühe geben.

Ich verstand Menschen…. vor allem Kinder schon damals nicht. Sie waren so unberechenbar. Ich hatte ganz genau 1 Freundin in der Zeit und diese hab ich heute noch.

Wir hatten viele Tiere, bei denen ich mich gerne aufhielt. Vor allem unser Kater und die Hasen hatte ich gerne. Dort konnte ich einfach sein. Ihnen war egal, wie ich aussah.

Ich wollte immer aussehen wie ein Junge und setzte das so oft wie möglich um. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die doch gerne ein „echtes“ Mädchen gehabt hätte. Wenn es aber eins gibt, was ich auf keinen Fall sein wollte, dann war es ein Mädchen. Mädchen sind noch unberechenbarer, auf eine ganz subtile Art gemein. Mädchen sind hübsch…..

Und damals dachte ich, dass nur hübsche Kinder angefasst werden. Dass man nur mit ihnen Dinge macht, die weh tun. Die mir bestimmt gefallen würden… Ich bräuchte das, damit ich mal eine erwachsene Frau werden kann. Ich wollte nie eine erwachsene Frau werden, wenn DAS dazugehört. Ich weiß, dass er diese Dinge auch mit anderen Kindern der Familie getan hat. Manchmal war auch ein Kumpel dabei, der die Situationen zwar scheinbar nicht gut fand, aber auch nichts unternahm. Ich erinner mich, als wäre es gestern gewesen, dass meine Eltern und ich mal wieder unterwegs zu meiner Tante waren und ich mir ein Herz fasste und darum bat, heute nicht mit den anderen Kindern und den großen Jungs nach oben zum spielen zu müssen. Meine Eltern fragten mich natürlich, wieso und weshalb. Ich sagte nur, dass er Dinge tut, die ich nicht will und die mir weh tun. Mit einem „das kann nicht sein, ich frag ihn“ war das ganze dann direkt wieder beendet und ich mit meinen Gedanken wieder allein. Angekommen, fragte meine Mutter tatsächlich gleich ihre Schwester, ob sie denn was wüsste……Natürlich würde ihr Sohn so etwas nie tun. Dennoch wurde er herbeizitiert. „Du würdest sowas nie tun, stimmts?“ -Natürlich nicht………….

Immerhin musste ich ab da nicht mehr mit hin und ihn so nicht mehr sehen.

Da ich nun wusste, dass mir nichtmal meine Eltern glauben, behielt ich das ganze dann viele Jahre für mich. In der Pupertät war ich immer recht nah am Abgrund. Wechselte Typen in etwa so oft wie meine Schuhe. Sex hatte ich, warum auch nicht…..Die Typen standen drauf und ich hab dabei eh nicht wirklich was gefühlt. Alkohol und Drogen verfehlten ihre Wirkung zusätzlich nicht. Sie halfen zu vergessen. Ich denke, ich hätte diese Zeit auch nicht überlebt, wenn ich nicht mit 17 dann schwanger geworden wäre. Dieses Kind hat mir das Leben gerettet und hat mich, auch wenn der Prozess eine Weile dauerte, in ein lebenswertes Dasein zurück geholt. Dennoch, die Dämonen verschwanden nie ganz. Noch heute begleiten sie mich wie ein Schatten. Als ich etwa mitte zwanzig war, sollte ein runder Geburtstag meiner Mutter, groß und mit allen Verwandten gefeiert werden. Auf meine vorsichtige Anfrage, ob ER denn auch da sei, kam direkt ein entsetztes „natürlich, warum?“ ich erklärte verunsichert, dass ich ihm lieber nicht begegnen möcht. Ich musste mich direkt anschnauzen lassen, dass ich ja schließlich froh sein könnte, dass er überhaupt noch mit mir spricht, nach dem was ich über ihn erzählt hätte……….. bäääm…… man hätte mir auch einen Holzbalken ins Gesicht schlagen können… Klar….. Sowas denken sich Kinder im Grundschulalter ja oft aus *ironieoff*

Mittlerweile hat er sich sein ganz eigenes Püppchen gebastelt. Ich denke sehr oft an die Kleine. Ich fühle mich wie ein Versager. Hätte ich früher was unternommen, hätte ich vielleicht verhindern können, dass sich eine Frau auf ihn einlässt und ihm eine Kind schenkt. Es ist verjährt. Ich hasse ihn so dafür. Er ist glücklich und ich hab Lebenslänglich…….

Ich fühle mich nach wie vor sehr alleine mit meiner Gedankenwelt. Einige ganz wenige Menschen kennen einen Teil des Drecks unter der Oberflächen, aber tief genug, dass ich mich mal für einen Moment nicht alleine fühle, kommt sehr selten jemand.

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