Da war er nun, der lang herbei gesehnte Tag.

schon eine Weile war klar, dass ich meine ADHS-Diagnose aktualisieren muss. Die vorhandene wird schon bald volljährig und so wollte ich gleich die sprichwörtlichen Nägel mit Köpfen machen und aus der Verdachtsdiagnose ASS, bei der Gelegenheit, gleich eine „richtige“ machen.

Dazu hab ich mich schon vor längerem in einer psychiatrischen Ambulanz beworben und um Abklärung gebeten. Ich hab der Dame erzählt, dass meine Konzentration und Kompensationsfähigkeit momentan wieder absolut  furchtbar sind. Das ganze sogar telefonisch. Wer mich kennt weiß, dass schon verdammt viel Leidensdruck dazugehört, bis ich mit fremden Menschen telefoniere. Man war aber sehr freundlich zu mir, hat mir den Ablauf erklärt……. Und um viel Geduld gebeten. Nunja, Geduld ist jetzt nicht gerade eine meiner Stärken, aber ich war ja darauf vorbereitet. Man rechnete mit Februar -März.

Als vergangenen Dienstag dann der Anruf kam, man könne mir direkt für heute einen Termin anbieten, wusste ich ehrlich gesagt erst nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Da war er nun. Dieser Tag. Herbeigesehnt und doch beängstigend. In dieser Woche war ich noch viel nervöser als sonst, ich schlief schlecht. Schlafen ist bei mir ja oft eh so eine Sache, die nicht ganz ideal läuft

Heute Morgen hab ich um 4.30 Uhr dann beschlossen, es einfach sein zu lassen. Hab mir einen großen Kaffee gemacht, mir Papier und Stift geschnappt und begann meine Gedanke zu ordnen.

Was möcht ich sagen….. Was lieber nicht….Offensiv? Passiv? Einen „Fahrplan“ durch das Gespräch. Ich brauch dieses Gefühl der Kontrolle. Zu wissen, was kommt.

 

9 Uhr

Da sitz ich nun, in einem kleinen gemütlichen Büro. Mir gegenüber eine sympathische Frau in etwa meinem Alter. Mein Block mit dem „Fahrplan“ fest in der Hand.

„Hallo Frau *Oxymoronchen*. Schön, dass sie da sind. Wie darf ich ihnen helfen?“

Ich bekomme keinen Ton heraus. Schon merk ich wie mein Hals von innen schwillt. Momente später… immernoch stumm, aber bereits in Tränen ausgebrochen… Sie reicht mir Taschentücher, schaut eine Weile geduldig zu wie ich mich langsam wieder beruhige. Wir kommen ins Gespräch. Ich entschuldige mich gefühlte tausend mal für meinen Gefühlsausbruch. Es ist mir unangenehm. Ich weine normalerweise nicht (nicht, dass es keine Gründe dafür gäbe….) solche Emotionen bleiben normalerweise in mir drin.

Das Gespräch kommt in Gang. Sie hört zu und stellt ihre Fragen. Es läuft gut, ich fühl mich ernstgenommen und bin froh, nicht doch noch kurzfristig abgesagt zu haben.

 

Als ich die Ambulanz verlasse, war ich mental am Ende und fühlte mich außer Stande, Auto zu fahren. Ich fahre eigentlich viel und gerne. So lief ich noch gute zwei Stunden durch die Stadt, um mich ein wenig zu sortieren….. Nicht besonders erfolgreich.

Ich bin irritiert. Der Termin lief sehr gut. Man nahm mich Ernst und versicherte mir, mir zu helfen und mich zu unterstützen. Dennoch fühl ich mich, als wäre ich körperlich und geistig, Marathon gelaufen. der Tag ist durch.

 

 

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2 Kommentare zu „Da war er nun, der lang herbei gesehnte Tag.

  1. Es war vielleicht die Anspannung, die nach dem Termin von dir abfiel. Du konntest im Vorfeld ja nicht wissen, was auf dich zukommt. Noch dazu sind solche Erstgespräche immer aufregend. Jetzt, da du weißt, dass man dich dort unterstützt und die Dame sehr nett war, kannst du beim nächsten Mal sicher etwas gelassener sein. LG!

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