Grundsätzliches zum Thema

Autismus ist eine Neurodiversität, die geschätzt 1-2% der Bevölkerung betrifft. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass du sogar mehr als einen kennst, dir warscheinlich aber nicht über seine Besonderheit bewusst bist.

Ich vergleiche das ganz gerne mit einem PC oder dem Handy. Dort gibt es unterschiedliche Betriebssysteme Windows, Android….iOS. Alle sind gut und laufen in IHRER richtigen,  technischen Umgebung ideal. Will ich allerdings ein Windowsprogramm auf einem iOS System laufen lassen, wirds schon kompliziert. Nun hab ich 3 Möglichkeiten. 1. ich kann versuchen, das Betriebssystem anzupassen. würd ich lassen, das geht schief. Der PC wird danach wohl nicht mehr besonders stabil laufen. Dieser Metapher steht für den Versuch mancher Therapien, einen Autisten anzupassen und ihn so quasi zum Nichtautisten zu erziehen. 2. ich kann mich damit abfinden, dass es nicht geht und jeden weiteren Versuch sein lassen. Was ich sehr schade fände. Und die 3. und für mich ideale Reaktion kann aber auch sein, mir Informationen plus passendes Programm zu finden mit dem ich die Software integrieren kann, ohne das mein Gerät Schaden davon trägt. Ich gebe also meinem PC ein Werkzeug an die Hand, mit dem er die Software verstehen kann und umgekehrt.

Mit dieser Info ausgestattet verwundert es warscheinlich nicht, dass manches was für neurotypische Menschen einfach ist, für uns schwer bis unmöglich sein kann und aber genauso aber auch umgekehrt. Das ist nur auf den ersten Blick paradox.

Autismus ist kein neues Phänomen und schon garkeine „Modekrankheit“. Es rückt lediglich durch die vielfältigen Medien näher an den Fokus und so ins Bewusstsein von Menschen, die damit bisher kaum bis keine Berührungspunkte hatten. Das Autismus Spektrum gibt es schon immer und in allen Ethnien.

So verschieden und vielfältig die Menschen sind, so ist es auch das Autismus-Spektrum. Es gibt unauffällige, extrem angepasste Autisten, die ihr Leben selbstständig leben, wie auch solche, die ihr ganzes Leben lang auf Unterstützung angewiesen sind.

Angepasst heißt in diesem Zusammenhang aber eher, dass wir eine hohe Kompensationsfähigkeit besitzen. Diese ist dann Fluch und Segen zugleich. Einerseits hilft sie uns, einigermaßen die Welt um uns rum im Überblick zu behalten, andererseits sorgt sie dafür, dass die Problematik komplett verkannt wird, nur weil sie nicht offensichtlich ist. Wir müssen bedenken, Kompensation kostet Kraft…..oft verdammt viel Kraft. Ich kenne Autisten, die morgens schon so viel Kraft brauchen, dass sie kaum wissen, wie sie durch den Tag kommen sollen. Und dennoch. man wird es ihnen kaum anmerken. Dazu fällt mir spontan die Löffeltheorie ein. Auch wenn Autismus selbstverständlich keine Krankheit ist, find ich diesen Vergleich doch sehr passend.

Es ist also oft ein Trugschluss zu vermuten, dass jemand weniger Betroffen ist, nur weil er so wirkt. Gerade wir Frauen wurden meist massiv auf Anpassung erzogen und haben so gelernt, unsere Probleme mehr oder weniger zu verstecken. Einigen gelingt das sogar ihr ganzes Leben lang. Allerdings ist das eher die Ausnahme. Viele, vor allem jene, die sich Ihrer Neurodiversität nicht bewusst sind, beenden ihr Leben durch Suizid. Verständlich irgendwie, wenn man sein ganzes Dasein lang fühlt, als wäre man auf dem falschen Planeten geboren. Diesen Gedankengang kann ich leider nur zu gut nachvollziehen. War er doch immer mein treuer Begleiter. Selbst heute, wo ich mir meiner Situation bewusst bin. Wir begegnen uns heute seltener… aber dennoch regelmäßig.

Sehr viele Autisten meiden die verbale Sprache. Ich selbst, kann zwar reden wie ein Wasserfall, aber wenn ich wirklich was zu sagen hab, dann am liebsten schriftlich.

Die gesprochene Sprache transportiert so viele Infos, die schwer zu entschlüsseln sind (Gestik, Mimik usw.) Ausserdem verlangt sie eine Reaktion in Echtzeit. Da Fragen und Gespräche oft sehr unkonkret ablaufen, habe ich für mich immer zuerst mal das Problem, aus vielen Antwortmöglichkeiten, die richtige herauszufinden und diese dann wiederum in Worte zu verpacken, die mein Gegenüber dann auch richtig einordnen kann (wir erinnern uns an die Software 😉 )

Ich selbst schreibe aus genau diesem Grund wesentlich lieber. So hab ich Zeit meine Gedanken zu sortieren. Auch wenn selbst da dann nur ein Bruchteil von dem zutage tritt, was tatsächlich in meinem Kopf vorgeht.

Meine persönlichen Schwierigkeiten liegen, wie bei so vielen, die andere Reizverarbeitung. Vor allem taktil, akustisch und olfaktorisch. Das heißt, dass vor allem meine Haut, meine Ohren und meine Nase sehr viel anders verarbeiten. die anderen Sinne sind zwar auch betroffen, aber doch nicht in diesem Ausmaß. Bewusst wurde mir das erst, als ich mitte 30 auf andere meiner „Spezies“ stieß. Vorher war ich der Meinung, dass jeder diese Reize in diesem Ausmaß aushalten muss und sich eben nur nicht so dranstellt wie ich……..

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